Im Bereich

    Neubau Tischlerei Rüscher

    Mit dem Neubau der Tischlerei Rüscher realisierte das Architekturbüro DI Simon Moosbrugger Architekt ZT ein Projekt, das traditionelle Materialien mit zeitgemässer Formensprache kombiniert. Die Architektur interpretiert regionale Bautraditionen neu und zeigt, wie sich ein Produktionsbetrieb sensibel und gleichzeitig kraftvoll in seinen ländlichen Kontext einfügen kann.

    * Titelfoto: ©Simon Oberhofer

    Zwischen Klarheit und Kontext: Architektur für das Handwerk

    Im Örtchen Schnepfau im österreichischen Bregenzerwald unweit der Schweizer Grenze liegt an der Schnittstelle zwischen bebautem Dorfkern und freier Landschaft der Neubau der Tischlerei Rüscher. Die topografische Offenheit des Ortsrands zur Kanisfluh hin ermöglichte es, das Ensemble aus Haupt- und Nebengebäude direkt am Fusse des imposanten Bergmassivs zu positionieren. Die Architektur des Produktionsgebäudes reagiert mit einer klar strukturierten Holzfassade und einer zurückhaltenden Höhenentwicklung auf die umliegende Dorfstruktur und fügt sich harmonisch in das bestehende Siedlungsbild ein. Das Nebengebäude wurde aus Betonhalbfertigteilen errichtet, um technische und explosionsgefährdete Einrichtungen beherbergen zu können.

    c-oberhofer-RÜSCHER-05.jpg
    Die Westseite des Produktionsgebäudes mit seiner gegliederten Holzfassade aus sägerauen, die Verlegerichtung wechselnden Fichtenbrettern. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    c-oberhofer-RÜSCHER-03.jpg
    Die Ostseite des Produktionsgebäudes und das vorgelagerte Nebengebäude aus Betonhalbfertigteilen. (Foto: ©Simon Oberhofer)

    Zwischen den beiden Baukörpern führt eine flache Rampe in das vollunterkellerte Untergeschoss mit Tiefgarage. Sorgfältig platzierte Fassadenöffnungen eröffnen den Nutzerinnen und Nutzern abwechslungsreiche Ausblicke auf die umliegende Bergkulisse. In der Produktionshalle sorgen zusätzliche Dachverglasungen für eine gleichmässige, blendfreie Tageslichtversorgung.

    Zu- und Abfahrten für Material und Personal sind gänzlich über die Ostseite organisiert. Dadurch entfielen logistische Anforderungen an die übrigen Gebäudeseiten, was eine freie architektonische Gestaltung ermöglichte. Die Maschinenhalle und der Bereich für handwerkliche Fertigung wurden bewusst mit doppelter Geschosshöhe geplant, um langfristige Flexibilität und gebäudeinterne Übersicht zu gewährleisten. Im nördlichen Teil des Gebäudes verdichten sich die Funktionen über zwei Ebenen: Im Erdgeschoss befindet sich die Oberflächenwerkstatt, während im Obergeschoss die Büro-, Mitarbeiter- und Kundenräume untergebracht sind.

    Im Obergeschoss schafft die offen gestaltete Struktur rund um den Innenhof sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden eine ausgezeichnete Orientierung. Zugleich sorgt sie für optimale Lichtverhältnisse und höchste Aufenthaltsqualität. Der Ausstellungsbereich öffnet sich nach Norden in Richtung Dorfzentrum, während die Büros zur Produktionshalle ausgerichtet sind. Die Verwendung von Fachwerkträgern aus Baubuche ermöglicht freie Sichtbeziehungen sowohl zum Holzbau der Werkhalle als auch in die abwechslungsreiche Landschaft des hinteren Bregenzerwaldes.

    Untitled-1.jpg
    Die offene Struktur rund um den Innenhof im Obergeschoss bietet Übersicht, sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter und garantiert beste Belichtungsverhältnisse und höchste Aufenthaltsqualität. (Foto: ©Simon Oberhofer)

    Holz trifft Beton: Ein konstruktiver Dialog

    In Anlehnung an die regionale Bautradition und unter Beachtung des konstruktiven Holzschutzes wurden sämtliche erdberührenden Bauteile mit Stahlbeton, dem modernen Pendant zum früher verwendeten Naturstein, errichtet. Auch die Wände und Decken des mehrgeschossigen Gebäudeteiles wurden aufgrund von Explosions- und Brandschutzanforderungen in Stahlbeton ausgeführt, da sich hier die Lackiererei und technische Lüftungssysteme befinden.

    Überdies übernimmt dieser massive Gebäudeteil eine aussteifende Funktion für die gesamte Holzkonstruktion der Halle, wodurch auf zusätzliche Verstärkungen verzichtet werden konnte. Die Produktionshalle wird von tragenden Fachwerkträgern aus Buchenholz überspannt, die in der Mitte des Gebäudes auf eine aussteifende Säulenreihe aufgesetzt sind. Stützen aus Fichtenholz bilden die jeweils gegenüberliegenden Auflagen und bilden gemeinsam das Haupttragwerk der Produktionshalle. Die Aussenwände wurden in Form gedämmter Holzfertigteile vorgefertigt und anschliessend vor Ort mit sägerauen Fichtenbrettern unterschiedlicher Verlegerichtung verkleidet.

    c-oberhofer-RÜSCHER-22.jpg
    Durch den Einsatz von Fachwerkträgern aus Baubuche eröffnen sich uneingeschränkte Blickbeziehungen sowohl in den Holzbau der Werkhalle als auch in die abwechslungsreiche Landschaft des hinteren Bregenzerwaldes. (Foto: ©Simon Oberhofer)

    Vereinigung von Ökologie und Betriebslogik: Umgang mit Fläche und Wasser

    Um die Bodenversiegelung möglichst gering zu halten, wurde das Gebäude bewusst kompakt und dreigeschossig konzipiert. Zudem wurden die asphaltierten Flächen rund um das Haus auf das für den reibungslosen Betriebsablauf notwendige Mindestmass reduziert. Wie ortsüblich, schliessen landwirtschaftlich genutzte Wiesen und Felder in direkter Nachbarschaft an dieses minimal versiegelte Areal an. Teile der Gebäudedächer sind extensiv begrünt, während die übrigen Dachflächen mit Photovoltaikmodulen bestückt sind. Das anfallende Regenwasser wird über ein Vollversickerungsleitungsnetz direkt dem Boden zugeführt.

    Partnerschaften mit Handschlagqualität

    In der Umsetzung wurde der Anspruch an Qualität und regionale Wertschöpfung von allen Beteiligten kompromisslos verfolgt. In enger Abstimmung mit dem Generalunternehmer wurde vereinbart, dass Ausschreibungen (wo möglich) ausschliesslich an regionale Handwerksbetriebe gehen. Auf diese Weise konnten die meisten Fachplaner und ausführenden Unternehmen direkt aus dem Bregenzerwald oder zumindest aus Vorarlberg gewonnen werden, was die Wertschöpfung im Land sicherte. Alle Verglasungsarbeiten sowie Teile der Zimmerei wurden an Betriebe aus dem Ort vergeben. Den Innenausbau übernahm die Tischlerei selbst und führte diesen in beeindruckender handwerklicher Qualität durch.

    Projekt:

    Projektname: Neubau Tischlerei Rüscher
    Standort: Schnepfau
    Bauherr: Rüscher GmbH Tischlerei, Schnepfau
    Architektur: DI Simon Moosbrugger Architekt ZT, Bersbuch
    Planung: 10/20-05/22
    Ausführung: 10/21-12/22
    Grundstücksgrösse: 7435 m², davon gewidmet: 5292 m²
    Nutzfläche: 4800 m² inkl. TG
    Bruttogeschossfläche: 5350 m² inkl. TG
    Bebaute Fläche: 2550 m²
    Bauweise
    Holzmischbau, erdberührende Bauteile aus Stahlbeton, der Rest als konstruktiver Holzbau mit hohem Vorfertigungsgrad, Produktionshalle aus Fichtenstützen mit aufliegenden Fachwerkträgern aus Buche („Bau-Buche“) in Kombination mit (wind)aussteifenden Stahlbetonstützen, Fassade mittels Wechselfalzschalung aus sägerauen Fichtenbrettern in verschiedener Ausrichtung belegt (vertikal, horizontal, abwechselnd schräg), Hohe Transparenz im Inneren des Gebäudes durch den hohen Einsatz an raumhohen Verglasungen
    Besonderheiten
    Grösstenteils bregenzerwälder Fachplaner und ausführende Firmen, begrünter Innenhof im Obergeschoss, Anlagen neu 2 Mio, Tiefgarage für Mitarbeiter (27 Fahrzeuge), 183 kwp PV-Anlage auf dem Dach, Halle und Büros komplett klimatisiert und mit Befeuchtungssystem ausgestattet, grosszügige Mitarbeiterräume (vollausgestattete Mitarbeiterküche, Mitarbeiter-Loungeraum), Komplette Halle mit Vakuumkranen ausgestattet, vollautomatisches Flächen-Plattenlager mit Plattenaufteilsäge

    Pläne

    ostansicht.jpg
    Ostansicht (Pläne: DI Simon Moosbrugger Architekt ZT)
    westansicht.jpg
    Westansicht (Pläne: DI Simon Moosbrugger Architekt ZT)
    suedansicht.jpg
    Südansicht (Pläne: DI Simon Moosbrugger Architekt ZT)
    nordansicht.jpg
    Nordansicht (Pläne: DI Simon Moosbrugger Architekt ZT)
    laengsschnitt.jpg
    Längsschnitt (Pläne: DI Simon Moosbrugger Architekt ZT)
    querschnitt.jpg
    Querschnitt (Pläne: DI Simon Moosbrugger Architekt ZT)

    Galerie

    c-oberhofer-RÜSCHER-01.jpg
    Der Neubau positioniert sich auf der dem Ort vorgelagerten Grünfläche, welche sich entlang der gesamten Länge der mächtigen Kanisfluh erstreckt. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    c-oberhofer-RÜSCHER-11.jpg
    Der Haupteingang auf der Ostseite des Produktionsgebäudes. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    c-oberhofer-RÜSCHER-16.jpg
    Aus Gründen der langfristigen Flexibilität und der gebäudeinternen Übersichtlichkeit wurden die Maschinenhalle sowie der Handwerksbereich überhoch (zweigeschossige Höhe) ausgeführt. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    c-oberhofer-RÜSCHER-12.jpg
    Das Nebengebäude mit seinen technischen und explosionsgefährdeten Einrichtungen wurde in Betonhalbfertigteilen ausgeführt. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    c-oberhofer-RÜSCHER-30.jpg
    Zwischen Haupt- und Nebengebäude führt die flache Rampe in das vollunterkellerte Untergeschoss mit Tiefgarage. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    c-oberhofer-RÜSCHER-21.jpg
    Stahlbetontreppe mit Holzbrüstung im nördlichen, zweigeschossigen Gebäudeteil. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    c-oberhofer-RÜSCHER-27.jpg
    Der Ausstellungsraum öffnet sich nach Norden zum Ortskern. (Foto: ©Simon Oberhofer)
    Autor: Daibau.ch Magazin

    Wie nützlich fanden Sie den Artikel?


    Warum Daibau nutzen, um einen guten Auftragnehmer zu finden?

    Ich würde anderen Kunden raten eben auch auf diese Plattform zu gehen, weil Ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht habe und das eigentlich relativ schnell geht. Auch die Ausführung hat dann super geklappt.
    9 528Kundenbewertungen
    Das Bewertungssystem ist geschlossen, nur ein Benutzer, der eine Anfrage gestellt hat, kann eine Firma bewerten, so dass es keine falschen Bewertungen von Unternehmen gibt.
    8 683 Bauunternehmen
    Suchen Sie zuverlässige Handwerker im Bereich Architekt?

    Ideen für die Gestaltung Ihres Zuhauses

    Magazin mit frischen Ideen und Tipps unserer Autoren für die Gestaltung Ihres Zuhauses.

    Hilfe

    Wir sind für Sie an jedem Werktag von 8:00 bis 16:00 erreichbar. Wie können wir Ihnen helfen?

    Anfragen: 0041 43 550 76 79
    Unternehmen: 0041 43 550 76 79
    AGB I Datenschutzerklärung I Information über Cookies I Impressum
    © 2026 Daibau Schweiz® | Alle Rechte vorbehalten