Die Wahl der richtigen Fassade ist mehr als nur eine Frage des Aussehens – sie bestimmt den Charakter des Gebäudes, schützt es vor Umwelteinflüssen und beeinflusst die langfristigen Heiz- und Kühlkosten. Ob stilvolle Eleganz, moderne Schlichtheit oder robuste Funktionalität – Ihre Entscheidung sollte nicht nur zu Ihrem Budget und zur Gebäudenutzung passen, sondern auch Ihren persönlichen Stil widerspiegeln. In diesem Ratgeber finden Sie alle wichtigen Informationen zu Materialien, Funktionen und Gestaltungsmöglichkeiten. So können Sie optimal vorbereitet in Gespräche mit Fachleuten gehen und die beste Wahl für Ihr Bauprojekt treffen.
Sehen wir uns zunächst die grundlegende Einteilung von Fassaden in verschiedene Kategorien an: Wärmedämmverbundsystem (WDVS), vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF), Glasfassade, Blechfassade und Holzfassade.
Unterschiedliche Fassadenarten
Die gängigste Fassadenart in der Schweiz ist das Wärmedämmverbundsystem oder kurz WDVS, das vor allem unter der Bezeichnung Vollwärmeschutz bekannt ist (die Begriffe Vollwärmeschutz und Wärmedämmverbundsystem sind keine Synonyme, werden aber umgangssprachlich als solche verwendet). Seine Lebensdauer beträgt mehr als 30 Jahre und es bietet hervorragende Wärmedämmung, die von entscheidender Bedeutung für die Energieeffizienz Ihres Zuhauses ist.
Beim WDVS wird der Dämmstoff direkt an den Gebäudewänden befestigt. Der meistverwendete Dämmstoff ist Styropor (expandiertes Polystyrol – EPS), da es kostengünstig und leicht zu verarbeiten ist. Die Dämmplatten werden je nach Situation auf den Untergrund geklebt oder oft auch zusätzlich mit Dübeln verankert. Alternativ kann ein Schienensystem zur Befestigung des Dämmstoffs verwendet werden. Als Nächstes wird eine Putzträgerschicht (Unterputz mit Armierungsgewebe) aufgebracht. Den Abschluss bildet die Oberflächenschicht, die mit Oberputz oder Flachverblender hergestellt werden kann.
Anstelle von Styropor kann auch Mineralwolle (Stein- oder Glaswolle) verwendet werden, die in vielerlei Hinsicht die bessere Wahl darstellt. Insbesondere Steinwolle sorgt mit ihrer dichten Struktur für hervorragende Wärme- und Schalldämmung. Ausserdem ist sie diffusionsoffen, also wasserdampfdurchlässig, was zur Vorbeugung von Tauwasserausfall und Schimmelbildung beiträgt. Da sie aus Naturstein hergestellt wird, ist Steinwolle nichtbrennbar, sodass sie ein sicherer Werkstoff ist. Zu guter Letzt ist Mineralwolle die umweltfreundlichere Wahl, da sie im Gegensatz zu Styrol, das auf Erdölbasis hergestellt wird, ein Naturmaterial ist.
Allerdings ist Mineralwolle etwas teurer als Styropor. Fassaden-Dämmplatten aus Standard-EPS kosten je nach Plattenstärke und -dichte zwischen CHF 20 und CHF 40 / m². Eine sehr gute Wahl sind mit Graphit versetzte Styroporlatten (graues EPS), die eine um bis zu 20 % bessere Wärmedämmung aufweisen als Dämmplatten aus weissem EPS. Die Preise von graphitverstärkten EPS-Dämmplatten variieren je nach Hersteller und Spezifikationen, doch im Durchschnitt kosten sie zwischen CHF 50 und CHF 70 / m². Mineralwolle ist teurer als Styropor, wobei Steinwolle etwas teurer ist als Glaswolle. Bedenken Sie aber, dass die Arbeitskosten deutlich höher als die Materialkosten sind, weshalb die Dämmstoffkosten nur einen kleinen Teil an den Gesamtkosten der Fassade einnehmen: Das WDVS kostet in der Regel zwischen CHF 150 und CHF 220 / m².
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An dieser Stelle möchten wir betonen, dass die Dämmung der Gebäudehülle nicht nur von der Fassade abhängt. Schlecht dämmende Fenster und Türen können die Wärmeverluste erheblich erhöhen – insbesondere, wenn sie fehlerhaft eingebaut sind, sodass Wärmebrüchen entstehen. Deshalb gehört der Austausch von Fenstern und Türen zu den typischen Massnahmen bei thermischen Gebäudesanierungen.
Die vorgehängte hinterlüftete Fassade oder kurz VHF kann den Energieverbrauch zum Heizen und Kühlen des Gebäudes um etwa 30 % senken. Der wesentliche Unterschied zum WDVS besteht darin, dass sie nicht direkt an die Wand montiert wird, sondern über eine Luftschicht zwischen Dämmung und Verkleidung verfügt.
Bei der VHF wird nämlich nur die Dämmebene direkt auf der tragenden Wand, die Fassadenverkleidung hingegen mit Abstand zur Hauswand auf einer Unterkonstruktion montiert. Dadurch entsteht zwischen beiden Schichten eine Luftschicht, der sog. Hinterlüftungsraum, der nicht weniger als 2 cm und nicht mehr als 15 cm tief sein darf. Er sorgt für ständige Hinterlüftung der Fassadenverkleidung, indem er einen Luftstrom ermöglicht, durch den diffundierende Wohn- und Baufeuchte abgeführt wird. Dadurch wird die Wärmedämmung verbessert und Tauwasserausfall vermieden. Da die Dämmschicht bei dieser Fassadenart konstruktiv von der Fassadenverkleidung getrennt ist, ist sie gut vor Witterungseinflüssen geschützt.
Die VHF sorgt für einen freien Luftstrom zwischen den Gebäudewänden und der Fassadenverkleidung.
Hinterlüftete Fassaden sind häufig optisch sehr ansprechend, und ihre Lebensdauer kann mehr als 50 Jahre betragen. Allerdings sind sie teurer als das Wärmedämmverbundsystem. Die Kosten einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) liegen bei CHF 150 bis CHF 400 / m² (Materialkosten und Montage durch einen Fachbetrieb).
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Und wie sieht es mit der Glasfassade aus? Die Glasfassade ist ein Synonym für zeitgenössische Architektur und kommt vor allem bei Gewerbebauten zum Einsatz. Bei Glasfassaden gibt es mehrere Konstruktionsarten: einschalige Fassade mit Pfosten-Riegel-Konstruktion, Ganzglasfassade (Structural-Glazing-Fassade), Semi-Structural-Glazing-Fassade und Doppelfassade.
Die Pfosten-Riegel-Fassade besteht aus tragenden Profilen, an denen die Glaselemente befestigt sind. Diese modulare Bauweise ermöglicht die Herstellung filigraner Fassadenkonstruktionen mit schmalen Fugen und grossflächigen Öffnungen. Bei der Structural-Glazing-Fassade sind die Aluminiumprofile sogar von aussen unsichtbar, da die Glaselemente allein durch Verklebungen gehalten werden, sodass auf Pressleisten verzichtet werden kann. Wenn die Profile nur an den Kanten sichtbar sind, spricht man von einer Semi-Structural-Glazing-Fassade. Neben diesen einschaligen Fassadenkonstruktionen gibt es noch Doppelfassaden mit zwei Fassadenebenen und dazwischenliegender thermischer Pufferzone.
Und wie viel kosten Glasfassaden? Die Kosten für Glasfassaden variieren je nach Fassadenart. Doppelschichtige Glasfassaden kosten zwischen CHF 360 und CHF 725 / m². Bei speziellen Anforderungen können die Kosten sogar noch höher ausfallen. Einschalige Glasfassaden können dagegen um bis zur Hälfte günstiger sein.
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Bei Blechfassaden handelt es sich grösstenteils um Aluminiumfassaden. Diese bestehen aus gedämmten Sandwich-Fassadenplatten, die aus mehreren Kunststoffschichten und einer Aluminiumschale zusammengesetzt sind. Mit den extrem festen, aber trotzdem leichten Sandwichpaneelen kann die gesamte Fassade (Vollverkleidung) oder nur ein Teil davon (Teilverkleidung) verkleidet werden. Modern sind vor allem Teilverkleidungen, bei denen beispielsweise ein Erker (Kapitänsgiebel) mit Blech verkleidet wird. Alu-Fassaden werden als hinterlüftete Fassaden ausgeführt, wobei die Fassadenplatten an einer metallenen Unterkonstruktion befestigt werden.
Wärmegedämmte Blechfassaden aus Aluminium kosten zwischen CHF 250 und CHF 400 / m².
In den letzten Jahren erfreuen sich vor allem Holzfassaden zunehmender Beliebtheit. Sie sind umweltfreundlich und vermitteln ein Gefühl von Wärme und natürlicher Schönheit. Holzfassaden werden vorwiegend aus heimischer oder Sibirischer Lärche gefertigt, aber auch andere Hölzer wie Fichte können eine gute Wahl sein.
Moderne Holzfassaden werden als hinterlüftete Fassadenkonstruktionen errichtet und unterscheiden sich durch ihr zeitgenössisches Design von traditionellen Holzfassaden. Zur Auswahl steht eine Vielzahl unterschiedlicher Herstellungsarten mit horizontaler, vertikaler oder diagonaler Fassadenverkleidung (Stülpschalung, Boden-Deckel-Schalung, Nut-Feder-Schalung, Rhombusschalung und Holzschindeln).
Eine Holzfassade aus Sibirischer Lärche inkl. Unterlattung und Steinwolle-Dämmung mit einer Dämmstärke von 15 cm kostet in der Regel zwischen CHF 100 und CHF 160 /m².
| Fassadenart | Eigenschaften | Kosten (CHF/m²) |
| Wärmedämmverbundsystem (WDVS) |
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CHF 150 und CHF 220 / m², Mineralwolldämmung ist etwas teurer als Styropordämmung |
| vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) |
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CHF 150 bis CHF 400 / m² |
| Glasfassade |
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Doppelschichtige Glasfassade: CHF 360 und CHF 725 / m² |
| Blechfassade |
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Wärmegedämmte Aluminiumfassade: CHF 250 und CHF 400 / m² |
| Holzfassade |
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Holzfassade aus Sibirischer Lärche: CHF 100 und CHF 160 /m². |
Fassaden können auch aus anderen Werkstoffen hergestellt werden, die jedoch im privaten Bereich relativ selten verwendet werden. Zu diesen Materialien zählen Naturstein, Faserzement, Verbundwerkstoffe sowie Fassadenplatten aus Kunststoff.
Arten von Fassadenfarben
Die Wahl der Fassadenfarbe beeinflusst nicht nur die Ästhetik des Hauses, sondern auch die Funktionalität der Fassade, denn der Anstrich muss gegen UV-Strahlung und Witterungseinflüsse beständig sein. Bei der Auswahl einer Fassadenfarbe sind daher unterschiedliche Faktoren wie UV- und Witterungsbeständigkeit, Wasserdampfdurchlässigkeit, Umweltverträglichkeit (Emissionsarmut), Untergrund (Beton, Aussenputz usw.) und Deckkraft zu beachten.
Ein hochwertiger Anstrich bietet zusätzlichen Schutz für den Fassadenputz.
Zu den meistverwendeten Fassadenfarben gehören Acryl-Fassadenfarben. Sie werden in der Regel auf Wasserbasis hergestellt und enthalten Acrylharz als Bindemittel, das für hohe Wetterbeständigkeit und Flexibilität sorgt.
Die Hauptvorteile von Acrylfarben sind gute Haftung auf dem Untergrund, hohe Lebensdauer und UV-Beständigkeit sowie eine grosse Auswahl an unterschiedlichen Farben und Farbtönen.
Am besten eignen sich Acryl-Fassadenfarben für grobe Betonuntergründe, doch auch für verputzte Fassaden werden sie häufig verwendet.
Silikat-Fassadenfarben werden ebenfalls häufig verwendet. Sie zeichnen sich durch ausserordentlich gute Haftung auf dem Untergrund aus, können aber nur auf mineralischen Untergründen eingesetzt werden. Ihr Nachteil liegt in der begrenzten Auswahl an unterschiedlichen Farben und Farbtönen.
Silikon-Fassadenfarben gelten als die beste, aber auch teuerste Wahl. Sie bestehen aus einem Bindemittel auf Silikonbasis, Pigmenten und verschiedenen Zusatzstoffen. Sie sind hoch wasserdampfdurchlässig und besonders wasserabweisend, weshalb sie die Fassade gut vor Pilzbefall schützen. Ausserdem zeichnen sich Silikon-Fassadenfarben durch hohe Schadstoffbeständigkeit, Pflegeleichtigkeit und eine breite Palette an zur Auswahl stehenden Farben und Farbtönen aus. Im Gegensatz zu Silikat-Fassadenfarben können sie auf unterschiedlichen Untergründen eingesetzt werden.
Die Fassadenfarbe sollte etwa alle 15 Jahre erneuert werden, da sie mit der Zeit ausbleicht und es durch äussere Einflüsse zum Abblättern und Rissbildung kommen kann.
Auswahl der richtigen Farbe
Abschliessend möchten wir noch etwas auf die Ästhetik bzw. die Wahl der richtigen Farbe eingehen. Die Farbgestaltung der Fassade sollte gut überlegt sein, denn schliesslich soll die Farbe mehr als ein Jahrzehnt das Äussere Ihres Zuhauses prägen. Deshalb sollten Sie bei der Farbauswahl folgende Faktoren beachten:
Gesamtbild des Hauses: Berücksichtigen Sie die farbliche Zusammenwirkung mit anderen Elementen des Hauses wie Dach, Fenster, Türen usw. Um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen, sollten alle Teile des Bauwerks farblich aufeinander abgestimmt werden. Wenn Sie kein Risiko eingehen möchten, entscheiden Sie sich für Weiss- oder Grautöne.
Umgebung und Bebauungsbestimmungen: Berücksichtigen Sie die Farbpalette der Nachbarhäuser und der restlichen Umgebung. Die neue Fassade muss zwar nicht perfekt mit der Umgebung verschmelzen, sollte aber keinesfalls negativ auffallen. Wenn Sie eine auffallende Farbe bevorzugen, informieren Sie sich vorab unbedingt über die Rechtslage. Die Baugesetze jedes Kantons enthalten nämlich auch Paragrafen zum Schutz des Ortsbildes und vielerorts werden die zulässigen Werkstoffe und Farben durch die Bebauungsbestimmungen der Gemeinden festgelegt (meist sind grelle Farbtöne verboten).
Sonneneinstrahlung: Die Fassadenfarbe sieht auf der Sonnenseite der Fassade anders aus als auf der Schattenseite. Auch der Lichtreflexionskoeffizient muss berücksichtigt werden – helle Fassadenfarben reflektieren an sonnigen Tagen das Licht (der Lichtreflexionskoeffizient für eine vollkommen weisse Fassade beträgt 100 %), während dunkle Farben die Sonnenstrahlung wesentlich weniger reflektieren. Deshalb heizen sich dunklere Fassaden schneller auf, was zu Schäden im Putz und zum Verblassen der Farbe führen kann.
Wartungsbedarf und Haltbarkeit: Einige Farbarten sind widerstandsfähiger und haltbarer als andere. Entscheiden Sie sich für einen hochwertigen Anstrich, der eine lange Lebensdauer hat und den Untergrund vor Witterungseinflüssen sowie Schimmel- und Algenbefall schützt.
Wie viel kostet ein neuer Fassadenanstrich? In der Regel liegen die Kosten bei CHF 18 bis CHF 30 / m². Hinzu kommen die Kosten für die Vorarbeiten in Höhe von einigen hundert Franken sowie die Gerüststellung, die je nach Gebäudegrösse und -höhe zwischen CHF 500 und CHF 800 kostet. Somit belaufen sich die Gesamtkosten eines Fassadenanstrichs für ein durchschnittliches Einfamilienhaus im Schnitt auf etwa CHF 3’000.
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