Im Beitrag:
- 1. Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)
- 2. Anwendungsbereiche für die vorgehängte hinterlüftete Fassade
- 3. Vorgehängte hinterlüftete Fassade - Vorteile
- 4. Montage einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade
- 5. Dämmstoffe für die vorgehängte hinterlüftete Fassade
- 6. Verkleidung für die vorgehängte hinterlüftete Fassade
- 7. Vorgehängte hinterlüftete Fassade - Kosten
1. Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)
1.1 Was ist eine vorgehängte hinterlüftete Fassade?
Das Hauptmerkmal der vorgehängten hinterlüfteten Fassade ist die Luftschicht, die Dämmung und Verkleidung voneinander trennt. Im Gegensatz zu monolithisch aufgebauten Fassadensystemen wie dem Wärmedämmverbundsystem (WDFS) wird bei der VHF nur die Dämmebene direkt auf der tragenden Wand, die Fassadenverkleidung hingegen mit Abstand zur Hauswand auf einer Unterkonstruktion montiert, sodass zwischen beiden Schichten ein sog. Hinterlüftungsraum entsteht. Durch die konstruktive Trennung der beiden Fassadenschichten werden Witterungseinflüsse von der Dämmschicht ferngehalten.
1.2 Welche Rolle erfüllt die Luftschicht?
Die Hauptaufgabe der Luftschicht der vorgehängten hinterlüfteten Fassade besteht darin, Feuchtigkeit abzutransportieren. Der Hinterlüftungsraum sorgt für ständige Hinterlüftung der Fassadenverkleidung und trennt sie konstruktiv von der Dämmebene. Er ermöglicht einen Luftstrom, durch den diffundierende Wohn- und Baufeuchte abgeführt wird, sodass sogar bereits durchfeuchtetes Mauerwerk leicht wieder austrocknen kann. Auf diese Weise wird der Feuchtehaushalt im Baukörper effizient reguliert. Ausserdem verbessert die Luftschicht den Wärmeschutz sowie den Schutz vor Tauwasserausfall.
Entgegen den Befürchtungen vieler Laien besteht im Hinterlüftungsraum keine Gefahr für Insektenbefall, da die Tierchen aufgrund des ständigen Luftstroms darin keinen geeigneten Lebensraum finden. Trotzdem werden die Öffnungen zum Hinterlüftungsraum im Sockelbereich mit einer Schutzbarriere gegen Schmutz und Tiere (dem sog. Lüftungswinkel) ausgestattet.
2. Anwendungsbereiche für die vorgehängte hinterlüftete Fassade
Die vorgehängte hinterlüftete Fassade gilt als besonders hochwertig und langlebig, da die Fassadenkonstruktion aus drei getrennten Schichten (Wetterschutz, Hinterlüftung und Wärmedämmung) besseren Wärmeschutz und Schutz vor Tauwasserausfall bietet als herkömmliche, monolithische Putzfassaden. Aufgrund der anspruchsvollen Montage ist sie jedoch auch teurer als herkömmliche Fassaden, weshalb sie im privaten Wohnungsbau noch nicht sehr weit verbreitet ist. Die VHF kommt vor allem im Gewerbe- und Bürobau zum Einsatz, wo einerseits Wartungs- und Sanierungskosten langfristig gesenkt werden sollen und andererseits höhere Herstellungskosten leichter getragen werden können. In den letzten Jahren ist jedoch zu beobachten, dass modern gestaltete und hoch energieeffiziente Neubauten immer häufiger mit dieser Fassadenart ausgestattet werden.
3. Vorgehängte hinterlüftete Fassade - Vorteile
Obwohl sie vergleichsweise teuer herzustellen ist, weist die vorgehängte hinterlüftete Fassade gegenüber monolithischen Fassaden mehrere Vorteile auf. Ihre wichtigsten Vorteile ergeben sich aus der Konstruktionsweise der VHF. Weil die Funktionsschichten getrennt sind, ist die Konstruktion diffusionsoffen – Feuchtigkeit wird durch den Hinterlüftungsraum kontinuierlich abtransportiert, wodurch optimaler Feuchtehaushalt garantiert und Schimmelbefall zuverlässig verhindert wird. Der Tauwasserpunkt wird nach aussen verlagert und die Bausubstanz bleibt geschützt. All dies trägt zur Wetterdichtheit, Langlebigkeit und hohen Energieeffizienz der vorgehängten hinterlüfteten Fassade bei. Gute Schalldämmung und ein geringes Gewicht zählen ebenfalls zu den Vorteilen der VHF. Ausserdem lassen sich nachträgliche Eingriffe in den Baukörper (z. B. für neue Installationen) leichter durchführen. Obendrein bietet die vorgehängte hinterlüftete Fassade vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich der Dämmung und Fassadenverkleidung.
4. Montage einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade
Bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade wird zuerst die Unterkonstruktion aus Holz- oder Metallprofilen (Aluminium oder Edelstahl) an der tragenden Hauswand montiert. Anschliessend wird die Wärmedämmung in die Zwischenräume der Unterkonstruktion eingebracht und fixiert (meist aufgedübelt). Die Materialien für Unterkonstruktion und Dämmung müssen aufeinander abgestimmt sein, da die Dämmleistung zu einem beträchtlichen Teil durch die Unterkonstruktion beeinflusst wird. Je nachdem, wie die Unterkonstruktion ausgebildet wird, kann die Schichtdicke der Wärmedämmung frei gewählt werden. Bei der Ausführung ist darauf zu achten, dass die Luftzirkulation nicht durch die Unterkonstruktion be- oder gar verhindert wird. Der Hinterlüftungsraum darf nicht weniger als 2 cm und nicht mehr als 15 cm tief sein (bei einer hölzernen Unterkonstruktion maximal 5 cm), meistens beträgt die Tiefe der Hinterlüftung jedoch 4 bis 5 cm. Zum Schluss wird die Fassadenverkleidung angebracht.
5. Dämmstoffe für die vorgehängte hinterlüftete Fassade
Für vorgehängte hinterlüftete Fassaden werden Dämmstoffe verwendet, die keine Feuchtigkeit aufnehmen und zugleich diffusionsoffen sind. Als Materialien kommen insbesondere Mineralwolle (Glas- und Steinwolle), Holzfaserdämmstoffe, extrudiertes Polystyrol (XPS), Polyurethan und Glasschaum infrage.
Insbesondere im Fertighausbau werden vorgehängte hinterlüftete Fassaden mit Naturmaterialien wie Holzfaser oder Zelluloseflocken wärmegedämmt.
6. Verkleidung für die vorgehängte hinterlüftete Fassade
Die Verkleidung einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade kann aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden, zur Auswahl stehen HPL-Plattenwerkstoffe, Metallbleche und Sandwichmaterialien, Kunststoffe, Faserzementplatten, mineralische Plattenwerkstoffe, Putz (dazu sind mit entsprechenden Trägerplatten erforderlich) und Ziegel (Klinker). Bei Fassadenverkleidungen aus Holz empfiehlt sich die Verwendung von Lärche, wobei eine diffusionsoffene Folie über der Unterkonstruktion angebracht werden muss. Sehr beliebte Fassadenverkleidungen sind auch Natur- und Kunststeinplatten. Wenn die Verkleidung fachgerecht angebracht wird, bildet sie eine robuste und wetterdichte Aussenhaut, die sämtliche Wetterbelastungen von der Dämmschicht fernhält.
7. Vorgehängte hinterlüftete Fassade - Kosten
Die Kosten für eine vorgehängte hinterlüftete Fassade hängen von mehreren Faktoren ab, vor allem von dem Material und der Ausbildung der Unterkonstruktion, dem verwendeten Dämmstoff und der Anzahl der Dämmschichten, dem verwendeten Verkleidungsmaterial sowie eventuellen spezifischen Anforderungen des Projekts. Deshalb variieren die Kosten von Projekt zu Projekt ganz erheblich: Je nach gewählten Elementen ist für eine VHF Fassade mit Kosten von mindestens CHF 230 / m² zu rechnen (Materialkosten und Montage durch einen Fachbetrieb).
Fachartikel 
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