In unserem Magazin haben wir bereits über ein Projekt des Architekturbüros Backraum Architektur berichtet (Black Beauty). Dieses Mal möchten wir Ihnen den Zubau für eine Badehütte vorstellen, der wie eine Yacht gestaltet wurde.
Wer sagt eigentlich, dass ein Haus vorgegebenen Konventionen entsprechen muss? Dass ein Wohnhaus so aussehen sollte „wie ein Wohnhaus“ und eine Badehütte eben „wie eine Badehütte“? Erfrischend, wenn man auf Architektur trifft, bei der „Kreativität“ und „Individualität“ nicht bedeuten, dass man einfach nur ein bisschen mit Innenfarben herumexperimentiert hat. In der Kleingartensiedlung am Donau-Altarm im niederösterreichischen Greifenstein war dies immer schon der Fall. Bereits die ersten Bewohner der Siedlung in den 1920er bis 60er Jahren haben sich bei der Gestaltung ihrer Badehütten kreativ entfaltet, Besucher fühlen sich an Peter Pans Nimmerland oder auch Strandhütten an der kalifornischen Küste erinnert. Das ist es auch, was der Siedlung ihren besonderen Charme verleiht. Mit seinem Zubau für eine dieser Holzhütten wollte Backraum Architektur diesem Stil gerecht werden.
Als die ehemaligen Bauherren die Hütte kauften, haben sie eine Piratenflagge am Dach der Hütte gehisst, die jahrelang dort zu sehen war, und diese hat das Haus zu einem Landmark bei Wegbeschreibungen gemacht („Beim Piratenhaus links abbiegen..."). Die neuen Besitzer haben die Flagge dann leider entfernt und nicht wieder angebracht. Logischerweise wurde der Zubau dann ebenfalls als Schiff konzipiert, nicht Kutter, so wie der Bestand, sondern modern, zeitgemäss als Yacht.
Die „Yacht“ präsentiert sich in strahlendem Weiss. Mit ihrer charakteristischen Form ist sie schon von Weitem zu erkennen. Bullaugen, Terrassen und Balkone machen auch aus ihr ein einzigartiges, phantasievolles Bauwerk. Natürlich hat auch der Rauchfang die Form und Farbe eines Schiffsschornsteins. Schon beim Anblick kommt Urlaubsstimmung auf.
Aus seiner Form ergab sich aber auch die Hauptschwierigkeit beim Bau des Hauses. Diese bestand in der Anlieferung der Dachelemente, da die Zufahrtsmöglichkeiten mehr als begrenzt sind. Trotzdem gelang es, das für die Auskragung notwendige, 12,5 m lange Bauteil in einem Stück anzuliefern.
Zu den auffälligsten Merkmalen des Hauses zählen seine grosszügigen Terrassen, die mit Thermoesche verkleidet sind. Echte Bootsdecks werden bevorzugt aus Teakholz hergestellt, da dieses Tropenholz besonders widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse, Verrottung und Insektenbefall ist. Dank Wärmebehandlung lassen sich jedoch die technischen Eigenschaften unserer heimischen Holzarten enorm verbessern und Thermoesche ist ein hervorragendes Material, das im Terrassenbau häufig zum Einsatz kommt. Zudem schafft die Verwendung von heimischen Materialien Arbeitsplätze und kurze Transportwege (weniger CO₂-Ausstoss). Dies passt zum Leitbild des Architekturbüros, in dem Ökologie und Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielen.
Für die Fassade des Holzhauses wurde herkömmliches Fichtenholz verwendet, das mit einer diffusionsoffenen Lasur behandelt worden war. Der Fussboden im Haus besteht aus geseiftem Parkett. Durch das Sättigen der Holzoberfläche durch mehrmaliges Auftragen einer Seifenlösung bleibt das Holz elastisch und erhält eine ansprechende Optik. Ausserdem ist es leicht zu reinigen und auch baubiologisch empfehlenswert, da bei der Seifenbehandlung vollständig auf die Verwendung von Lösemitteln verzichtet wird.
Projekt: |
| Name des Projektes: Haus W |
| Architektur, Interieur, Aussengestaltung: Backraum Architektur |
| Fotografie: Christoph Panzer |
| Planungsjahr: 2021 |
| Ausführungsjahr: 2022 |
| Gebäudegrösse: 94 m² Wohnnutzfläche |
| Stockwerke: 2 |
| Grundstücksgrösse: 600 m² |
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