Im Beitrag:
1. Stiegen müssen vor allem funktional sein
Stiegen sind gross und deutlich sichtbar, weshalb die Optik immer eine bedeutende Rolle spielt, dennoch kommt es in erster Linie auf die Funktionalität an. Bei der Planung sind daher die Anforderungen an den Baukörper und die Platzverhältnisse genauso zu beachten wie der ästhetische Anspruch. Dies ist umso wichtiger, als sich Planungsfehler im Nachhinein nur in eingeschränktem Masse korrigieren lassen. Und natürlich muss die Stiege auch bequem sein. Letztlich muss das Stiegenhaus auch den Transport von Lasten ermöglichen.
2. Treppenstufen
Treppenstufen bestehen aus waagerechten Trittstufen und senkrechten Setzstufen. Für bequemes Treppensteigen ist das Verhältnis zwischen Höhe und Tiefe der einzelnen Treppenstufen besonders wichtig. Alle Stufen im selben Treppenlauf müssen gleich hoch und in der Lauflinie gleich tief sein. Die Steigung (Stufenhöhe) sollte mindestens 14 und höchstens 20 cm betragen, während der Auftritt meist 25 bis 32 cm misst. Stufen von gewendelten Treppen in Wohnhäusern sollten an der schmalsten Stelle eine Auftrittsbreite von 10 cm aufweisen. Das Steigungsverhältnis (das Verhältnis von Auftrittlänge zu Höhendifferenz zwischen zwei Auftritten) sollte immer auf das Schrittmass des Menschen abgestimmt sein und sich in der Gehlinie nicht verändern.
Vor allem bei Wangentreppen werden die Stufen häufig eingestemmt, d. h. direkt in den Wangen befestigt und nicht aufgelegt. Eingestemmte Stufen können mit Setzstufen (geschlossene Treppe) oder ohne Setzstufen (offene Treppe) montiert werden. Treppen ohne Setzstufen wirken sehr leicht und elegant.
3. Treppenlauf
Ein Treppenlauf ist eine ununterbrochene Abfolge von Treppenstufen zwischen zwei Podesten oder Stockwerken. In Wohngebäuden sind meistens ein- oder zweiläufige Treppen anzutreffen, mehrläufige Treppen sind eher im öffentlichen Bereich zu finden. Einläufige Treppen verlaufen in einer Linie von einem Stockwerk ins andere, während bei zwei- und mehrläufigen Treppen die einzelnen Treppenläufe durch Treppenabsätze (Zwischenpodeste) voneinander getrennt sind. Die einzelnen Treppenläufe können auf verschiedene Weise angeordnet sein (U-Treppe, E-Treppe, T-Treppe usw.), wobei sich die Laufrichtung am Podest verändern kann. Treppenläufe verlaufen meist in gerader Linie, bei gewendelten Treppen ist die Lauflinie hingegen gekrümmt. Wendeltreppen und Spindeltreppen (Rundtreppen) sind platzsparend und können auch eine optische Bereicherung für den Wohnraum darstellen. Der Neigungswinkel sollte um die 30° betragen, damit die Stiege komfortabel genutzt werden kann. In Wohnhäusern sollte der Neigungswinkel nicht grösser als 41° sein.
Ein Treppenlauf darf höchstens 18 Steigungen (Stufen) beinhalten, danach ist ein Podest zu errichten. Die lichte Treppenlaufbreite sollte bei Haupttreppen in Wohnungen mindestens 90 cm betragen, bei Nebentreppen sind mindestens 60 cm zu empfehlen. Stiegenhäuser in Einfamilienhäusern sind meistens 90 bis 110 cm breit. Die tatsächliche lichte Treppenlaufbreite hängt natürlich davon ab, wie viel Platz zur Verfügung steht.
4. Podest
Ein Podest ist eine horizontale Fläche zwischen zwei Treppenläufen oder am Ende einer Treppe bzw. Stiege. Ein Podest zwischen zwei Treppenläufen wird Treppenabsatz bzw. Zwischenpodest genannt, während ein Podest am Anfang oder Ende eines Treppenlaufes als Treppenpodest bezeichnet wird. Zwischenpodeste machen die Nutzung der Treppe bequemer (stellen Sie sich vor, wie viel einfacher es ist, 12 aufeinanderfolgende Treppenstufen zu erklimmen als 24), gewährleisten mehr Sicherheit bei Stürzen und ermöglichen Änderungen der Laufrichtung bei gradläufigen Treppen. Ein Zwischenpodest ist nach höchstens18 Steigungen (Stufen) anzuordnen. Die nutzbare Podesttiefe muss mindestens der nutzbaren Treppenlaufbreite entsprechen. In der Praxis ist das Podest bei Wohnungstreppen meistens 90 bis 95 cm tief. Falls ausreichend Platz vorhanden ist, ist es jedoch ratsam, ein tieferes Podest zu errichten. Im Regelfall besteht der Podest aus dem gleichen Material wie die Trittstufen oder der Bodenbelag. Bei der Planung des Podestes ist den Knicklinien (Übergang Treppenlauf - Podest) besondere Beachtung zu schenken.
5. Stiegengeländer
Das Stiegengeländer oder Treppengeländer dient als Schutz und Stütze beim Treppensteigen. Laut SIA-Norm 358 – Geländer und Brüstungen müssen in Hochbauten wie Wohnhäusern sowie Sport-, Freizeit-, Schul- oder Verwaltungsgebäuden alle Stellen mit einer Fallhöhe von 100 cm oder mehr mit einem mindestens 100 cm hohen Geländer ausgestattet werden (in einzelnen Fällen 110 cm). Im Bereich des Treppenlaufes darf das Geländer nur 90 cm hoch sein. Bis auf eine Höhe von 75 cm darf keine Öffnung einen Durchmesser von mehr als 12 cm haben. In Bauten mit unbeaufsichtigten Kindern ist das Beklettern von Geländern und Brüstungen zu erschweren, weshalb Geländer mit horizontalen Streben in solchen Gebäuden verboten sind. Die Geländerfüllungen von Glasgeländern werden aus Sicherheitsgründen aus Verbundsicherheitsglas (VSG) hergestellt.
Stiegengeländer werden meist aufgesetzt (auf den Trittstufen) oder stirnseitig (seitlich) montiert. Weniger verbreitete Möglichkeiten der Geländerbefestigung sind die Montage von unten (auf ein gegossenes Flacheisen geschweisst) und durchstossend (durch Aussparung geführt und vergossen oder verschraubt). Heutzutage gibt es auch moderne Stiegengeländer, die an der Geschossdecke und der Stiege oder sogar am Boden befestigt werden, sowie Geländer, die flächendeckend im Untergrund verankert werden. Letztere werden vor allem dann eingebaut, wenn das Stiegenhaus mehr Präsenz im Raum zeigen soll und ein ausdrucksvolles Design gewünscht ist.
5.1 Wie soll das Stiegengeländer aussehen?
Stiegengeländer können aus verschiedenen Materialien hergestellt werden. Zur Auswahl stehen Stiegengeländer in unterschiedlichsten Bauweisen, von Geländern mit vollflächiger Geländerfüllung bis zu vollständig entmaterialisierten Geländern aus Stahlseilen. Glasgeländer (Ganzglasgeländer und Edelstahlgeländer mit Glasfüllung) wirken transparent und leicht. Dem Trend nach minimalistisch und leicht wirkenden Geländern entsprechend steigt die Popularität von Treppengittern aus Seilen oder Metallstäben, die vom Boden bis zur Decke reichen. An einem solchen Geländer können Sie auch ihre Lieblingsornamente und Souvenirs aufhängen. Die Ästhetik des Stiegengeländers hängt vor allem von der Optik der Stiege ab – das Geländer sollte das Material und die Ästhetik der Stiege fortführen und ergänzen.
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